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Kry-Story

Kündigt man einfach nach 25 Jahren öffentlichem Dienst, dem Inbegriff für finanzielle Sicherheit? Vielleicht lässt sich diese Frage mithilfe einer weiteren Frage beantworten. Was ist man bereit in Kauf zu nehmen für diese Sicherheit? Wer ein dickes Fell hat und eine Ich-halte-die-Klappe-und-mache-jeden-Irrsinn-mit-Mentalität, der passt gut dazu. Und wer zwar nicht ganz passt, aber ideenlos oder ängstlich ist, der muss sich damit arrangieren.

Nun könnte ich den Irrsinn noch mit endlosen Beispielen unterlegen. Statt dessen verkünde ich mein Fazit: Genug gescheiterte Projekte, genug ergebnislose Stuhlkreise, genug mit Vorgesetzten, deren einzige Kreativität darin besteht, Fortschritt zu verhindern. Und vor allem genug der Fehleinschätzungen und des Selbstlobes jener, die aufgrund ihrer Position und Erfahrung alles richtig machen. „Das war schon immer so.“ trifft nicht nur für diesen Zustand, sondern vor allem für die Abläufe und Regeln des Amtslebens zu.

Meine Antwort darauf heißt: Mag es dort für immer so bleiben, ich steige aus. Und ich fühle mich plötzlich frei. Der durch tägliche Misserfolge angewachsene Frust löst sich endlich auf. Hoffnung keimt auf. Zugegeben, die finanzielle Absicherung ist nicht mehr geklärt, dafür aber das Wohlbefinden und die Chance, den Rest des Arbeitslebens bestenfalls sogar mit Freude durchleben zu können.

Das klingt so folgerichtig und easy, als wäre es das Normalste der Welt. Ist es aber nicht, weder easy, noch normal. Und folgerichtig? Angesichts des täglichen An-die-Wand-Fahrens fühlt man sich zunehmend zerbeult und deformiert. Der erwähnte Frust birgt ein hohes Potenzial, sich zu einer Depression auszuweiten. Das Normalste der Welt ist also zunächst eine Situation des Leidens, Zweifelns und Grübelns.

Wie komme ich aus dieser verfahrenen Kiste heraus? Das ständige Nachfragen, Vorschlagen und schließlich Aufbegehren beschert mir den Ruf eines notorischen Nörglers. Und wenn dann noch der Amtsleiter austickt, spätestens dann ist der Leidensdruck groß genug für die Befreiung aus diesem unerträglichen Zustand, auch ohne fertiges Konzept für die Zukunft. Du brauchst noch Energie für das Beschreiten eines neuen Weges.

Ich habe das große Glück, dass ich mit einer tollen Familie und guten Freunden Rückhalt, Inspiration und sachliche Konversation genieße. Viele Wenn und Aber lassen sich vernünftig erörtern, Wohlwollen und positives Denken überwiegen. Das ist ein unschätzbarer Vorzug, der anderweitig nur durch professionelle Begleitung durch einen guten Coach, bestenfalls mit genau solchen Erfahrungen, zu erreichen ist.

Und nun? Definiere dich neu. Arbeite heraus, wo dich die neu gewonnene Freiheit idealerweise hinführen könnte. Eigeninitiative, Kreativität, zielführendes Denken sind nicht nur erlaubt, sondern erforderlich. Aus nebulösen Vorstellungen über deine Zukunft kristallisieren sich gute Ideen heraus. Allein das Recherchieren, Lernen, Planen machen aus dir einen neuen Menschen. Positiver Stress ist weit weniger belastend als das Trübsinnblasen auf deiner ehemaligen Arbeitsstelle.

Prinzipiell bestehen jetzt zwei Möglichkeiten: Finde den Top-Job oder gestalte deine Arbeit selbst im eigenen Unternehmen. Bin ich zu letzterem nicht zu alt, noch fit und bissig genug? Soll ich einer Leidenschaft, die auf den ersten Blick kaum jemanden interessiert oder eher einem offensichtlichen Marktbedürfnis, das mich nicht so interessiert, folgen? Auf jeden Fall anfangen, womit auch immer. Wiederum besteht die Option des Hinzuziehens eines Profis bzw. des vielleicht schon bewährten Coaches.

Wenn ich auf Nummer Sicher im Hinblick auf die Gestaltung meines zukünftigen Arbeitslebens gehen will, nehme ich das Ruder besser selbst in der Hand als Selbständiger. Das schließt ja nicht aus, trotzdem Teamplayer sein zu können, das sichert nur eben die Kapitänsposition. Ich kann die vielleicht auch mal irrsinnigen Entscheidungen selber treffen und darf die negativen Konsequenzen sofort reflektieren und es beim nächsten Mal besser machen.

Die Erkenntnis aus dieser Betrachtung ist: „Sei ehrlich zu dir selbst.“ und, um die anderen Teammitglieder nicht in dieselbe Situation zu bringen, in der ich mal war: „Sei ehrlich und gerecht zum Team.“ oder besser noch „Gib jedem etwas Verantwortung, lasse jeden seine Fehler machen.“ „Gib jedem das Gefühl zum Gelingen des Tages auf seine professionelle Weise beitragen zu dürfen.“

Ja, man kündigt nach 25 Jahren im öffentlichen Dienst, um genau diesen Zustand herbeizuführen: Arbeit, die Spaß macht mit Kollegen, die unternehmerisch mitwirken. Was für tolle Aussichten! Der Frust ist weg, im Rückblick bleibt eine nüchterne Erkenntnis als Aufarbeitung und Schlussstrich unter die Vergangenheit. Diese richte ich gleich mal an den zuständigen Adressaten, gewissermaßen als Nachtrag zur Kündigung:

Liebe Landesregierung, hättet ihr nicht das Landesrechenzentrum geschlossen, das Bildungsministerium hinsichtlich der Umsetzung des Bildungsmanagementsystems und der digitalen Bildung besser auf Trab gebracht und im Landesschulamt nicht die kompetente Hausleitung durch diverse strategielose Provisorien ersetzt, dann wäre ich doch mit Sicherheit ein treuer und stolzer Mitarbeiter im öffentlichen Dienst geblieben.