Vision haben vs. Vision ausdenken
Sat, 18 Jul 2026
Zukunft gestalten – gemeinsam (digital) lernen, lehren, wachsen mit 3D und KI
Bewertung ist ein kontrovers diskutiertes Thema, zu dem es verschiedene Perspektiven gibt. Ich möchte an dieser Stelle keineswegs nörgeln, sondern eher versuchen, die Schülerperspektive mehr in den Fokus zu holen.
Nach dem Leistungsbewertungserlass in Sachsen-Anhalt umfasst schulische Leistungsbewertung die Leistungsfeststellung, Leistungsbeurteilung und die Mitteilung der Ergebnisse an Schülerinnen und Schüler sowie Erziehungsberechtigte. Ziel ist die Ermittlung des Grades der Kompetenzentwicklung der Lernenden in Bezug auf die Vorgaben des Lehrplans oder der Rahmenrichtlinien ...
Gut gemeinte Ziele sind dabei die Transparenz und Vergleichbarkeit, die Information über Lernstand und Kompetenzentwicklung sowie die Förderorientierung. Der Nutzen liegt in vielgestaltiger Orientierung.
Nun reduziert sich die Bewertung überwiegend auf Ziffernnoten: Prüfungen, Klassenarbeiten und bestenfalls die fachliche Qualität der Mitarbeit werden zu einem Endergebnis verdichtet, das dann Versetzungen oder Abschlüsse legitimiert. Fraglich bleiben dabei die Sinnhaftigkeit der Maßstäbe und die Subjektivität auf Seiten der Bewerter.
Wie wäre es, wenn Lernende ihren eigenen Lernstand, ihre Stärken und Schwächen reflektieren und sich an klaren Kriterien orientieren (lernen). So würden sie ein Auge für die Wirksamkeit des eigenen Lernprozesses entwickeln und – im positiven Fall – Motivation sowie Engagement erhöhen. Wenn Lernende sich aktiv mit ihren Lernzielen und erreichten Ergebnissen auseinandersetzen müssen, können sie bessere Entscheidungen über ihr Lernen treffen (Selbstorganisation).
Selbstbewertung sollte nicht bedeuten, dass „Schüler sich selbst Noten geben“ – sie kann durch fachgebundene Kommentare, gezielte Reflexionsfragen oder Einschätzungen von Befindlichkeiten erfolgen, die helfen, Selbsterkenntnis sowie Problemlösungsideen zu entwickeln. Und sie muss diskutierbar mit dem Lehrer sein, der korrigierend und zielführend unterstützt.
Stell dir eine Bewertung vor, die
Ein hybrides Modell würde klassische Externevaluation (Noten, Zeugnisse) nicht ersetzen, sondern ergänzen mit reflexiven Elementen, die Lernen nicht nur messen, sondern auch erklären und weiterentwickeln helfen.
Wir wissen alle, dass die einzelne Note eine Momentaufnahme mit fachlichem Fokus ist und mit Entstehungsbedingungen behaftet ist, die schnell plausibel machen, dass diese Note nicht repräsentativ für die Schülerleistung und schon gar nicht für sein potenzielles Leistungsvermögen ist.
Ich hatte in meiner ganzen Schulzeit ein einziges Mal eine "4" in einem Test, weil ich im Deutschunterricht ein Buchkapitel noch nicht gelesen hatte. Dieses für mich ungewohnte, gar traumatisierende Ereignis hat mich sofort dazu motiviert, ein Gedicht "Die wohlverdiente Vier" zu schreiben, das bei einem Wettbewerb einen Preis gewann. Heute weiß ich: Die "4" resultierte daraus, dass ich dabei ertappt wurde, den Nachmittags-Fußball einem staubigen Roman vorgezogen zu haben. Verdient? Ja. Leistung adäquat erhoben? Darüber muss man reden. Danke übrigens postum meiner Deutschlehrerin, die genügend Noten vergab, um dieses Desaster auszugleichen zu können und die gewohnte Zeugnis-"1" erreichen zu können.
Sat, 18 Jul 2026
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