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Selbstorganisation ist die effektivste Form der Lernprozessgestaltung

Akademie Admin

Tue, 28 Jul 2026

Selbstorganisation ist die effektivste Form der Lernprozessgestaltung

In den letzten Jahren habe ich an sehr unterschiedlichen Schulen unterrichtet, Projekte begleitet und Einblick in Unterricht, Organisation und Verwaltung bekommen. Gymnasium, Sekundarschule, Projektarbeit, Förderkontexte – die Situationen unterscheiden sich, das Muster erstaunlich wenig. Und genau dieses Muster hat mich nachdenklich gemacht.


  • Lernen scheitert heute nicht ursächlich und grundsätzlich an fehlender Motivation.
  • Und noch seltener an mangelnder intellektueller Fähigkeit.


Was fast überall fehlt, ist etwas viel Unspektakuläreres und gleichzeitig Entscheidenderes:

eine klare, verbindliche Struktur für den Lernprozess bzw. ein emotional positiv belegtes Lernerlebnis.


Infolge dieser Mängel fehlen dann natürlich das belastbare Fundament an Grundlagen, der Sachbezug, die Arbeitsroutine, das Selbstvertrauen und das Durchhaltevermögen. Dass Konzentrationsfähigkeit Opfer der Social-Media-Bespaßung wird, liegt an der Flucht in die leichtverdauliche Unterhaltung, weg von Anforderungen, die ja wieder nur Misserfolge bringen würden.


Ich nehme mal ein Beispiel: Ein Schüler, der das Konzept der mathematischen Funktion schon nicht verstanden hat und nun auch noch Sinus und Cosinus als Abstraktum verdauen soll, hat wohl wenig Erfolgsaussichten auf nachhaltiges und anwendungsbereites Wissen. Wenn ihm dagegen klar geworden ist, dass Messungen zu Wertetabellen und dann zu grafischen Darstellungen führen, die man gern als Gleichung beschreiben möchte, hat schon ein gutes Fundament. Wenn quasi zeitgleich Experimente mit Schwingungen oder Wellen durchgeführt werden, die das Abbilden der Prozesse erleben lassen und auch die Wirkung der Parameter sichtbar oder hörbar machen (Amplitude <-> Lautstärke, Frequenz <-> Tonhöhe), bekommen Sinus und Kosinus nicht nur ein Gesicht, eine Identität unter den Funktionen, sondern insbesondere einen Sinn als clevere Modellierung natürlicher Gegebenheiten. Diese Verzahnung von Denkleistung und Begriffsbildung mit dem Erlebnis schafft jenen sichtbaren Sachzusammenhang, den nachhaltiges Lernen braucht. Nicht das Tafelbild des Lehrers noch das Arbeitsblatt mit Übungsaufgaben können diesen Prozess ersetzen, obwohl auch sie ihre Daseinsberechtigung als Etappen bzw. Methoden im Lernprozess haben.


Lernen scheitert ursächlich nicht am Können der Lernenden, sondern daran, dass Lernprozesse nicht konsequent organisiert sind. Das ist keine Einschränkung von Freiheit, wenn man zulässt, dass die Organisation so individuell wie möglich sein darf.


Ganz besonders wertvoll, wohl aber erst mit zunehmender Reife effektiver werdend, sind dabei die Selbstmotivation und die Selbstorganisation.


Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich in meinem Studentenleben zweimal wochenlang an Herleitungen gearbeitet habe, die man aufgrund ihrer Komplexität so in Büchern nicht finden wird. Meine Überzeugung: Es muss funktionieren, also werde ich einen Weg finden. In beiden Fällen habe ich meine mathematischen Fertigkeiten erheblich erweitern müssen. Dabei habe ich gewissermaßen mathematisch experimentieren müssen mit System. Übrigens bestand in beiden Fällen auch kein Leistungsdruck, nicht mal ein Auftrag. Der Gewinn - methodisch: Arbeitsroutine und Durchhaltevermögen, didaktisch: tiefergehendes Verständnis sowie mental: Selbstvertrauen und weitere Motivation. Eine Konsequenz war die Freude an überwiegend autodidaktischer Arbeit, wodurch ich es in meiner Studienzeit geschafft habe, zwei Hauptfächer und zwei Ergänzungsfächer vollständig zu studieren.


Meine Erfahrung: Selbstorganisation ist die effektivste Form der Lernprozessgestaltung.

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